Triumph T120 Bonneville von MotorVisionen: Eine Geschichte

Was bei einer Triumph T120 so alles funktionieren kann und was nicht, erfahren die Besitzer meist relativ schnell. In der folgenden Geschichte, die Ihren Anfang im Jahr 1992 genommen hat, erzählt uns Uwe Sickert (Chef vom MotorVisionen) den Reifeprozess seiner Bonneville. Diese entwickelte sich nach den Wehwehchen der Anfangsjahre zu einer (fast) perfekten Bonni, abseits typischer Café Racer – seiner „Beauty“.

Uwe Sickert:

„Die Triumph erwarb ich 1992, da ich seit dem Besuch einer Motorradveranstaltung eine solche Maschine besitzen wollte und sie für mich eine preiswerte Alternative zu Harley darstellte. Das erste Jahr – bis zu meinem 21. Geburtstag- stand sie unbenutzt in meiner Garage, da ich den passenden A1-Führerschein noch nicht hatte.

Sie war schon damals nicht mehr original und ich begann die Triumph nach meinem Geschmack umzubauen. Als erstes zerlegte ich Sie und ließ sie aus Kostengründen lediglich neu lackieren. Das Motorrad war zu diesem Zeitpunkt alles andere als zuverlässig, ging hier beinah alles kaputt, was kaputt gehen konnte. Ich konnte ein breites Spektrum an Reparaturen aufweisen: Kolbenklemmer, kaputte Kupplung, Getriebeschäden usw.

Wegen der Optik wollte ich auf jeglichen Sitzkomfort verzichten und begnügte mich mit einem Leder bezogenen Sitzbrötchen. Das hatte zur folge, dass ich nach einer Fahrt an die Ostsee über alte DDR-Plattenautobahnen auf Grund der starken Vibrationen und Schlägen in Kombination mit der 0-Federung der Triumph nach 5 Stunden Fahrt akute Sitzprobleme und dicke Hände hatte.

Hier noch mal ein Dank an meine Freunde, die so viele Stunden stehend und schraubend mit mir auf diversen Autobahnen verbrachten und meine Triumph und mich trotz dieser Widrichkeiten immer wieder „gerne“ auf Touren mitnahmen.

1996 musste ich meinen Wehrdienst antreten und nahm die Triumph mit. Zu dieser Zeit überholten ein Freund und ich den Motor komplett, was zur Folge hatte, dass das Motorrad zum ersten Mal relativ zuverlässig wurde. Die alten Mikuni-Vergaser ersetzten wir durch BMW-Bing Vergaser.

Nach meiner Armeezeit lackierte ich sie mit Spraydosenlack matt schwarz, da nach der aufwändigen Motorregeneration kaum noch Geld übrig war. Den alten „Sitz“ ersetzte ich nun durch eine gefederten Schwingssattel und fuhr über Ungarn nach Kroatien. Diese Reise von etwa 2000 km bewältigte die Triumph, bis auf die eine oder andere verlorene Schraube, problemlos. Lediglich auf dem Rückweg streikte sie wegen eines gebrochenen Kabels.

Da sie nun endlich richtig lief, startete ich 1998 den kompletten Neuaufbau des Motorrads. Als erstes rüstete ich sie auf ein ordentliches Bremssystem um: Scheibenbremse vorn, Tolle Kettenblattbremse hinten. Das Meiste des Motorrads ist Eigenbau. Die von mir entworfene, gereckte Gabelbrücke mit integriertem Tacho und die Suzuki-Gabelholme bilden eine schöne Symbiose zu den geschwungenen Lenker. Die Züge befinden sich alle im Lenker, so dass sich hier kein störendes Beiwerk befindet. Auch den Bremszylinder verbannte ich unter den Tank. Die selbst gedrehten Griffe und die von einer NSU stammenden Außenhebel bilden den Abschluss der Lenkeinheit.

Die Vorderradfelge entlieh ich einer MZ, die Nabe stammt aus einer Suzuki und findet ihren Abschluss durch selbstgefräste Abdeckungen. Beim Tank handelt es sich um einen angepassten Harley Sportster Tank mit einem Arlen Ness Tankdeckel. Der Öltank ist ein Eigenbau aus Edelstahl. Auf Blinker darf ich Dank des fortgeschrittenen Baujahres verzichten. Ein Handzeichen in die gewünschte Richtung ist völlig genügend. Im Sinne des Wesentlichen, habe ich den hinteren Fender kurz gehalten. Das hat zwar bei Regen auch Wasser von unten zur Folge, doch fügt er sich so harmonisch ins Gesamtbild ein. Die Umrüstung von Kontaktzündung auf kontaktlose Zündung, sowie der elektronische Regler verhalfen der Triumph zu mehr Zuverlässigkeit. Bei der Auspuffanlage handelt es sich um zwei polierte Edelstahlrohre, die ich passende zu die Linien der Triumph entworfen habe. Bei der Neulackierung wählte ich British Racing Green, weil das zur Herkunft des Motorrades passte.

Fazit:

Heute springt sie beim ersten Kicken zuverlässig an. Dennoch bedarf das alte Motorrad einer ständigen Pflege. Kaputt geschüttelte Zündkerzen und –schlösser und zerwackelte Leuchtmittel sind aber überschaubare Fehlerstellen.

Ich bin stolz darauf, Motorräder wie die Triumph zu bauen: Kisten, die fahrbar sind. Die nicht herumstehen und sich hochglanzverchromt vom Scheinwerferlicht bestrahlen lassen. Die nicht nur im Transporter von Bikeshow zu Bikeshow gekarrt werden. Sie fährt (mit mir) selber dort hin. Die Triumph war bei der letzten großen Bikebuilder-Veranstaltung eines der wenigen Motorräder, die auch wirklich durch Ihre eigene Kraft bewegt werden können. Die Reifen zeigen Abriebsspuren, die polierten Aluteile und der Lack erzählen auch Ihre Geschichte, der Benzinschlauch hat selbige Substanz auch schon gesehen und die Krümmeranlage ist golden angelaufen.“

Technische Daten Bonneville T 120 „Beauty“

  • Bike Name: Beauty
  • Marke: Triumph
  • Typ: Bonneville T 120
  • Jahr: Motor 1969, Rahmen 1958
  • Motorgröße: 650 ccm
  • Getriebe: 4-Gang, stock
  • Rahmenreckung: 45 Grad
  • Rahmen: Starrrahmen
  • Vorderbau: Suzuki Gabelrohre, Suzuki Nabe, MZ Felge, MotorVisionen Gabelbrücke, Avon Reifen 3.25×19
  • Lenker: MotorVisionen
  • Gabelbrücke: MotorVisionen
  • Armaturen: MotorVisionen, gedrehte und polierte Edelstahlgriffe
  • Außenhebel: NSU
  • Scheinwerfer vorn: Bates
  • Hinterbau: Akront-Felge, Avon Reifen 130 90 R 16
  • Rücklicht: Cat-Eye
  • Bremse vorn: Scheibenbremse
  • Bremse hinten: Tolle Ritzelbremse
  • Auspuffanlage: MotorVisionen, polierter Edelstahl
  • Tank: modifizierter Harley Sportster
  • Elektrik: MotorVisionen
  • Öltank: MotorVisionen
  • Sitz: MotorVisionen
  • Batteriekasten: MotorVisionen
  • Schutzblech hinten: MotorVisionen
  • Kennzeichenhalter: MotorVisionen

Besitzer: Uwe Sickert
Firma: MotorVisionen
Am Erlengrund 9
01156 Dresden

www.motor-visionen.de
motorvisionen@gmx.de

Telefon: 0351-3270607

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